Hans Magnus Enzensberger / Konstellationen – Internationale Tagung – Université de Liège – 26-28 april 2017

Zweifellos gehört Hans Magnus Enzensberger zu den vielseitigsten und wandlungsfähigsten deutschsprachigen Autoren seiner Generation. Er ist Lyriker und Essayist, Herausgeber von Anthologien, Dokumentationsbänden und Zeitschriften, Filmemacher, Drehbuchschreiber und Übersetzer sowie Medientheoretiker und -historiker. Sein Werk, in das auch seine unter wechselnden Pseudonymen veröffentlichten Beiträge einzubeziehen sind, ist so umfangreich wie vielgestaltig: Die ungewöhnliche Vielfalt der einander überlagernden Formen und Gattungen, in denen sich Enzensberger artikuliert, entspricht dabei einer grundsätzlich explorativen Arbeitsweise, die Konzepte wie Authentizität, Autorschaft und Fälschung in den Mittelpunkt der kritischen Reflexion stellt.

Solche Überlagerungen und Verbindungen produzieren in Enzensbergers Werk veritable Konstellationen, die die Tagung ins Zentrum rücken will: Jenseits der üblichen Kategorisierungsmodelle, die sich an Gattungen oder werkgeschichtlichen Phasen orientieren, und auch jenseits der vordergründigen Logik von Brüchen und Wandlungen, die in Enzensbergers Werk fraglos aufzuweisen sind, lässt sich eine Vielzahl von dynamischen Beziehungen freilegen: Konstellationen poetischer, politischer, herausgeberischer, biographischer und anderer Art. Zwei Grundformen von Konstellationen können dabei unterschieden werden:

1/ die Konstellationen, in die Enzensberger mit anderen Autoren, Theoretikern, Philosophen, Filmemachern etc. tritt. Zu denken wäre hier etwa an die gemeinschaftlichen Herausgebertätigkeiten, die Übersetzungen, die Mitgliedschaft in der Gruppe 47, die Briefwechsel, Fernsehsendungen und Debatten mit Zeitgenossen (Uwe Johnson, Alexander Kluge, Hannah Arendt oder Peter Weiss) oder die Bezugnahmen auf so verschiedene Autoren wie Adorno, Marx, Diderot, Montaigne und Alexander von Humboldt.

2/ die Konstellationen, die Enzensbergers Werk gewissermaßen im Inneren seiner selbst ausbildet. Scheint dieses Oeuvre zunächst durch zeitliche und räumliche Faktoren determiniert zu sein (einige Stichworte wären die Nachkriegszeit, das Jahr 1967 in Berlin, der Siegeszug der modernen Kommunikations- und Informationstechnologien), so zeigen sich auf den zweiten Blick andere Themen, die in seinem Werk unter verschiedenen Gesichtspunkten wiederkehrend verhandelt werden: Schreiben und Alphabetisierung, Politik und Gewalt, Geschichte und Mord u.a. Diese wiederkehrenden Problemkonstellationen laden dazu ein, jenseits der ausgetretenen Pfade einer an Werkphasen orientierten Forschung neue Querbeziehungen zwischen den literarischen und audiovisuellen Produktionen Enzensbergers herzustellen.

Abweichend von traditionellen Zugängen, die Texte und audiovisuelle Produktionen auf ihre eigenen Determinanten (literarische Strömungen, Gattungen, Epochen, Orte, Ereignisse) zurückführen, möchte die Tagung vorschlagen, Enzensbergers Werk als einen zentrifugalen Komplex zu betrachten, um von diesem methodischen Ansatz aus das künstlerische und politische Potenzial seiner Arbeiten freizulegen.

Von diesen Überlegungen ausgehend, ist die Tagung ausdrücklich nicht als Treffen einer spezialisierten Expertengemeinde konzipiert. Vielmehr möchte sie Forscher/innen aus allen Bereichen der heutigen Geistes- und Gesellschaftswissenschaften zusammenbringen: Literatur und Übersetzungswissenschaft, Sozialwissenschaft, Anthropologie, Politikwissenschaft, Philosophie, Geschichte, Kommunikations- und Informationswissenschaft, Film- und Theaterwissenschaft, etc.

Mögliche ThemenfelderGastrednerPraktische Informationen (um einen Referatsvorschlag einzureichen)

Die Tagung “Hans Magnus Enzensberger / Constellations” wird durch folgende Partner unterstützt:
ARC Genach
Fonds National de la Recherche Scientifique (FNRS)
Goethe-Institut Brüssel
Faculté de Philosophie et Lettres (Liège Université)
UR Traverses (MAP, Lemme)
Centre d’Etudes Allemandes (Liège Université)
Service “Médias et diffusion” du département des Relations extérieures et Communication de l’Université de Liège
Service de traduction et interprétation (Liège Université)
Asbl “Les Grignoux”
Librairie “Livre aux Trésors”